Jan Sadler, Jahrgang 1993, der ein Journalistik-Studium abgeschlossen hat, spielt immer noch erfolgreich für Hannover United in der Rollstuhl-Basketball-Bundesliga. Am Basketball fasziniert ihn „die Kombination aus Taktik und Athletik.“ Allerdings würde sich Jan, der mit Spina Bifida (Spaltung der Wirbelsäule) lebt, insgesamt mehr inklusive Sportangebote in Deutschland wünschen.
Der erste eigene Rollstuhl war für Jan Sadler insofern so bedeutsam und nachhaltig, weil er ihm in jungen Jahren ermöglichte, professionell im Rollstuhlbasketball einzusteigen. Seit Jahren trainiert Jan nun in der Akademie des Sports in Hannover und dem Olympia-Stützpunkt Niedersachsen. Rückblickend sagt er: „Vor 16 Jahren hab’ ich diesen Rollstuhl von Aktion Kindertraum bekommen und es ist so viel passiert inzwischen. Vor meinem eigenen Rollstuhl musste ich immer mit geliehenen Rollstühlen vom Verein unterwegs sein, die eben nicht exakt auf meine körperlichen Bedürfnisse zugeschnitten waren.“
Im Jahr 2010 war es für Aktion Kindertraum eine große Freude und ein Anliegen, den Herzenswunsch von Jan Sadler zu erfüllen: Das junge Basketballtalent wünschte sich einen auf ihn angepassten Rollstuhl, damit er seine Leidenschaft, dem Rollstuhl-Basketball, noch ehrgeiziger, intensiver und erfolgreicher verfolgen konnte. Aktion Kindertraum-Gründerin und Geschäftsführerin Ute Friese war 2010 dabei, als Jan der Rollstuhl übergeben wurde in der Akademie des Sports in Hannover.
Jan erinnert sich: „Ich war so fasziniert von der Wall of Fame der Athleten, die bei Olympischen und Paralympischen Spielen dabei waren. Und heute hänge ich da selbst, so schließt sich ein Kreis.“ Er ist immer noch dankbar, dass Aktion Kindertraum ihn so nachhaltig unterstützt hat. Ute Friese ergänzt: „An Jans Karriere sieht man, wohin eine Wunscherfüllung führen kann. Das macht uns alle bei Aktion Kindertraum sehr stolz. Denn so wissen auch wir: Wunscherfüllungen können besonders nachhaltigen Charakter haben.“
Jan Sadler hat an zahlreichen Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen. So wurde Jan 2015 und 2017 mit der Herren-Nationalmannschaft jeweils Dritter, 2013 wurde er U23-Weltmeister. Sein größter Erfolg: Die Bronzemedaille bei den Paralympics in Paris, aber auch schon seine Nominierung für die Paralympics in Tokio 2021 empfand er „als Riesending“, die Mannschaft wurde dort Sechster. In Paris freilich war das Spiel um den dritten Platz für Jan überwältigend: „Wir haben da vor 12.000 Zuschauern gespielt, lagen zur Halbzeit gegen Kanada zehn Punkte hinten. Das kann man gar nicht beschreiben: Gänsehaut pur! Und wir haben das am Ende doch noch drehen können.“
Natürlich gab es für den Sportler Rückschläge, wie „die verpasste Qualifikation für die Paralympics 2016“ – 2015 hatte Jan erstmals den Sprung in die Herren-Nationalmannschaft geschafft. „Ich war damals schon sehr enttäuscht, aber ich habe mich wieder voll reingehängt. Und in Tokio und in Paris hatte ich echt das Gefühl: Okay, die ganze harte Arbeit der letzten 14 Jahre hat sich ausgezahlt.“
Mittlerweile ist Jan verheiratet, seine Frau Vanessa hat ebenfalls Rollstuhlbasketball gespielt. „Sie holte 2016 eine Goldmedaille bei den Paralympics mit den USA und hat danach in einem deutschen Profi-Team gespielt, später auch für die deutsche Nationalmannschaft.“ Die beiden haben sich über den Sport kennengelernt und verbringen viel Zeit zusammen in der Familie und mit Freunden, gehen sehr gern gemeinsam zu Konzerten. Sie achten darauf, dass Jan für sein großes Ziel – die nochmalige Teilnahme an den Paralympics, dann 2028 in Los Angeles – fit bleibt.
„Ich muss meine Muskelkraft immer auf einem hohen Level erhalten, dabei hilft gute und spezielle Ernährung und gesunder Schlaf.“ Auch Mentaltraining ist Jan eine Hilfe, „wir haben oft Kontakt zu Sportpsychologen, über die Nationalmannschaft oder den Olympia-Stützpunkt in Hannover. Man muss einfach im mentalen Bereich sehr viel arbeiten – letztendlich bringt die physische Arbeit nichts, wenn es gerade zwischen den Ohren nicht funktioniert“, stellt Jan Sadler sachlich fest. Bleibt uns nur noch die Daumen für ihn und LA 2028 zu drücken.